Positionierung

melanie-lassmann_SK_begleitung (1)

 

Du hast ALLES gegeben, du hast SO VIEL GETAN, so vieles versucht und dennoch, dein aller sehnlichster Wunsch hat sich nicht erfüllt. Du bist nicht schwanger geworden…

Ich weiß, wie furchtbar zerstörerisch sich diese Erkenntnis anfühlt, wie schmerzhaft die Einsicht ist, dass es nicht funktioniert hat, wie irreal es sich anfühlt, wenn du beginnst, dich mit dem Gedanken auseinander zu setzen, dass dein Kinderwunschweg nun allmählich zu Ende ist – weil du mit den Nerven am Ende bist, weil du körperlich und mental absolut am Boden bist, deine Kraftreserven aufgebraucht sind, deine Zuversicht, dein Mut, deine Leidenschaft und auch dein Kampfgeist sich komplett verabschiedet haben, deine Partnerschaft aufs Extremste strapaziert ist und deine finanziellen Polster auf dem Konto der Kinderwunschklinik gelandet sind…

Und auch weiß ich, wie unerträglich diese Leere im Kopf ist bei dem jetzt dann doch anstehenden Versuch, sich Gedanken darüber zu machen, wie ein ungewollt kinderloses Leben aussehen könnte. Bei dem eher kläglichen Versuch, sich irgendwie vorzustellen, wie und unter welchen Rahmenbedingungen dies ein gutes und erfülltes Leben sein könnte…

Wenn der Albtraum
real wird

In unserer Zeit in der Kinderwunschklinik waren mein Mann und ich uns bis zuletzt einig und klar darüber, dass wir irgendwann für unseren Einsatz, unsere Mühe und unsere Geduld, für unseren festen Glauben daran, dass es gelingen wird, belohnt werden müssen. So viel Zeit, Energie, Liebe, Hoffnung, Glauben und auch Geld hatten wir investiert… das konnte doch nicht alles umsonst gewesen sein! Oder doch? Es musste sich doch auszahlen und wir waren ja auch bereit zu warten und die vielen Abstürze ins Bodenlose zu ertragen und auszuhalten. Aber mit jedem gescheiterten (Behandlungs-) Zyklus verstärkten sich unsere Ängste, die Zweifel und das destruktive Gedankenkarussell...

Es wäre skurril zu versuchen, all das irgendwie „schön zu reden“ und selbst mir, die ich eine unerschütterliche Optimistin bin, fiel es lange schwer, das Positive, das Gewinnbringende aus dieser Phase zu erkennen. „Das ist so unfair! Wo bleibt die Gerechtigkeit?“ am liebsten hätte ich es dem Kinderwunscharzt jedes Mal wieder voller Schmerz ins Gesicht geschrien, wenn er uns wieder mitteilte, dass „es leider diesmal nicht funktioniert hat.“ Wie Hohn klang es, wenn er sowas sagte wie „aber sie sind ja noch jung und in einer guten körperlichen Verfassung… ruhen sie sich ein wenig aus und dann kann es doch für sie weiter gehen…“  ich bin ein wirklich friedliebender, ausgeglichener, empathischer und fröhlicher Mensch, aber in diesen Situationen hätte ich am liebsten alles kurz und klein geschlagen… und was bis heute geblieben ist, ist die Erinnerung an dieses kalte, leere und emotionslose Gefühl, das sich in diesen Gesprächen einstellte, jedes Mal, wenn wir dann, allein gelassen mit unserer Ohnmacht, desillusioniert wieder nach Hause gefahren sind, um irgendwie wieder in unseren „normalen“ Alltag zu finden.

Das ist der Grund, warum ich deine Verzweiflung, deine Enttäuschung, deine Wut, deine Angst, deine Sorgen, dein Gefühl, „vom Schicksal vergessen worden zu sein“ so gut nachfühlen kann! Ich verstehe dich. Wirklich!

Und so richtig skurril wird es dann, wenn wir mal darüber nachdenken, dass wir in einer Zeit leben, in der wir mit 30, mit 35 und auch mit 40 immer noch sehr, sehr viel jünger aussehen als das noch vor einigen Jahrzehnten der Fall war. Wir sehen in der Mitte unseres Lebens jung aus – und fühlen uns auch so. Auf unseren Körper aber trifft dieser offensichtlich verzögerte Alterungsprozess hinsichtlich seiner physisch anatomischen Funktionalität nicht uneingeschränkt zu – insbesondere die Fruchtbarkeit sowohl beim Mann als auch bei der Frau, nimmt entsprechend dem tatsächlichen biologischen Alter ab. So hat eine 35-jährige Frau unter ansonsten normalen Bedingungen eine durchschnittliche Chance auf eine Schwangerschaft von nur noch 10% je Zyklus, bei einer 40-jährigen Frau liegt die Chance sogar nur noch bei 5%.

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